Max, der Marder


Mitte August war es nun endgültig so weit: Max war dem Kinderalter entwachsen, hatte ein ordentliches Gewicht und alles gelernt, was man als Marder so wissen muss. Es gab keinen Grund mehr, der gerechtfertigt hätte, dass er bei mir zuhause in der Voliere sitzt. Der Zeit der Auswilderung war gekommen.


Zuerst wurden Karten studiert und ein geeigneter Platz für die Freilassung gesucht. Dann erfolgte die Besichtigung an Ort und Stelle. Alles noch ohne Max. Dann kam sein großer Tag…


Wir fuhren abends an jene – nicht nähers genannte – Stelle. Max sicher in einer Transportbox verstaut. Entweder wurde ihm vom Autofahren schlecht oder er war so aufgeregt; er hat sich auf seine Decke erbrochen. Am Ziel angekommen liefen wir ein paar Meter vom Feldweg in Richtung Waldrand. Ich stellte die Box auf den Boden und öffnete sie. Max lugte vorsichtig über den Rand, reckte schnüffeln sein Näschen in die Höhe, krabbelte heraus und erkundete neugierig – jedoch zurückhaltend – die Umgebung. Er hatte seinen Spass in einem abgemähten Feld! Ich dachte, das sei nun der richtige Zeitpunkt, den Rückweg anzutreten. Ich packte die Box zusammen und wollte mich von dannen schleichen. Doch ich hatte die Rechnung ohne Max gemacht! Als er mich gehen sah, rannte er los, am Bein festgekrallt, hoch gekrabbelt, bis er auf meiner Schulter zum Sitzen kam. Also noch mal von vorne: Max auf den Boden gesetzt, ihm beim Spielen beobachtet, langsam den Rückzug angetreten. Max ist clever. Er kam wieder angerannt – zack – hoch auf die Schulter.

Dieses Spiel haben wir insgesamt drei oder vier Mal wiederholt. Wahrscheinlich würde ich da heute noch sitzen, wenn mein Mann nicht dabei gewesen wäre. Männer sind da etwas pragmatischer veranlagt: er hat damit angefangen, Steinchen einzusammeln. Und die hat er dann auch geworfen, als Max wieder angerannt kam.

Wer Jack Londons „Wolfsblut“ gelesen hat, kann sich ungefähr vorstellen, was geschehen ist: Max ist erschrocken, war hin und her gerissen zwischen Zuflucht bei mir oder das Weite im Feld zu suchen. Er hat sich zögernd für das Zweite entschieden. Zeitgleich sind wir zum Auto gerannt und losgefahren. Im Rückspiegel konnte ich sehen, wie Max – nach ausbleibendem Steinregen – auf den Feldweg läuft und uns nachsieht.


Männer sagen „es muss halt sein“. Frauen wissen, dass das in diesem Falle stimmt. Und trotzdem: Frauen bricht in so Momenten das Herz.


Bye bye Max, pass gut auf Dich auf!


25.08.2011 Daniela Stotz


 

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Max ist nun dem „Kleinkindalter“ entwachsen und ein „Teenager“.

Er ist nun etwa elf Wochen alt. Sein Gewicht liegt etwa bei 1.072 Gramm, die Gesichtsform hat sich zu der eines erwachsenen Marders entwickelt und die Zähne sind kräftig ausgebildet. Und das lässt er mich auch tagtäglich spüren! Kaum aus seinem Käfig befreit, tobt und spielt er ohne Unterlass. So manche Gegenstände und Pflanzen sind schon zu Bruch gegangen bzw. tragen von nun an „Marder-Biss-Spuren“. In Ermangelung seiner Geschwister macht er nun mit mir all die „Spielchen“, die er eigentlich mit ihnen machen würde, um seine Fähigkeiten für das spätere Jagd- und Revierverteidigungsverhalten zu erlernen.


Was soll aus Max mal werden? Hier ein paar „technische Daten“:


Marder sind die entwicklungsgeschichtlich älteste Gruppe aller Raubtiere. Sie sind sehr anpassungsfähig und besiedeln nahezu alle Lebensräume. Die meisten Arten sind Einzelgänger und ernähren sich überwiegend von tierischer Nahrung. Sie besitzen einen überaus scharfen Geruchssinn und spüren somit ihre Beute auf. Ihr Revier kennzeichnen sie mit Duftmarken; eine starke Produktion von diesem Afterdrüsensekret ist charakteristisch für Marder – für unsere Nasen eher unangenehm.


Der Steinmarder (Martes foina) ist gut an seinem weißen, scharf umrissenen, gegabelten Kehlfleck zu erkennen, das sonstige Fell ist braun. Die Größe liegt etwa bei 45-50cm, wobei 20-30 davon auf den buschigen Schwanz fallen.


In Süd- und Mitteleuropa kommt er eigentlich überall vor, außer auf den Britischen Inseln und den Mittelmeerinseln. Der Marder bevorzugt baumfreie, felsige Gebiete, Waldränder, lichte Bergwälder und sucht sich seinen Unterschlupf in Felsspalten und Steinhöhlen. Als Kulturfolger ist er natürlich auch in den Dörfern und Städten zu finden. Hier macht er sich durch eifriges Verfolgen von Ratten und Mäusen sehr nützlich.


Er ist überwiegend nachtaktiv und da er nicht so gut klettert, wie sein Verwandter der Baummarder, jagt er vorwiegend am Boden. Sein Nahrungsspektrum reicht über Kleintiere aller Art bis hin zu Kaninchen- oder Hühnergröße. Aber auch Obst steht auf seinem Speiseplan.


Die Paarungszeit ist von Juli bis August. Durch eine Keimruhe verlängert sich die Tragezeit dann auf 8-9 Monate. Im späten Frühjahr (meist April) kommen dann 3-7 Welpen zur Welt.



Wenn alles planmäßig verläuft, wird Max noch etwa 6-7 Wochen bei mir sein, bis er dann – gut auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet – all die Dinge tun darf, die ein Marderherz so begehren. Mal sehen, was uns die kommenden Wochen noch bescheren werden.

4.07.2011 Daniela Stotz


 

--------------------------------------------------     27-05-2011    --------------------------------------------------------

Max, der Marder


Max ist nun seit fast vier Wochen bei mir. In dieser Zeit hat sich eine Menge ereignet – er wurde zum Medien-Star! Zeitung, Fernsehen und Radio geben sich die Klinke in die Hand.


Doch all das interessiert Max nicht sonderlich. Für ihn gibt es wichtigere Dinge in seinem Leben.

Er ist nun etwa knapp sechs Wochen alt. Sein Gewicht hat sich locker verdreifacht, die Augen haben sich geöffnet und die ersten Zähnchen sind durchgebrochen. Und mit eben diesen macht er nun auch seine ersten Beiß-Versuche. Am liebsten in den Sauger seiner Flasche. Erst folgt Verwunderung, warum der Milchfluss ausbleibt, dann kommt der kleine Marder-Zorn.

Hund Vera ist bei allem dabei. Über aus bemüht übernimmt sie auch die Pflege- und Säuberungsarbeiten – immer in der Hoffnung, dass auch ein Tröpfchen der Aufzuchtsmilch für sie abfällt. Doch so langsam werden wir den Kontakt zwischen Max und Vera einstellen müssen – Marder und Hund sind in freier Wildbahn nicht unbedingt das, was man Freunde nennen kann und Max soll nicht fehlgeprägt werden und damit seine natürliche Scheu vor Hunden verlieren.


Die ersten „Kinderkrankheiten“ hat Max auch schon hinter sich: Durchfall und trockene, schuppige Haut haben ihn in seinem kurzen Leben schon geplagt. Aber mit Fenchel-Tee und Multivitamin-Tropfen wurden wir der Lage schnell wieder Herr.


Auch den ersten „Umzug“ hat er nun schon hinter sich – von der „Säuglings-Transport-Box“ in den „Kleinkind-Käfig“. Hier steht ihm nun eindeutig mehr Platz zur Verfügung und die ersten Gehversuche können gemacht werden. Noch steht Max auf ziemlich wackeligen Pfoten, doch von Tag zu Tag nimmt die Standfestigkeit zu.


Nun dauert es nicht mehr lange, bis er seinen ersten Kontakt mit fleischlicher Nahrung machen wird. Anfangs wird es nur die Soße aus Katzenfutterdosen sein. Doch mit der Zeit arbeiten wir uns über Hühnerherzen, Mäuse-Babys, Eintagsküken und ähnlichem hoch, bis Max zum ersten Mal seine erste lebende Beute schlagen muss.


Doch bis dort hin wird noch einige Zeit vergehen. Sind wir mal gespannt, was uns die Zukunft noch bringen wird.

27.05.2011 Daniela Stotz

    

 

---------------------------------------------------  9-05-2011    ----------------------------------------------------------

Max, der Marder

Anfang Mai kam ich zu meinem ersten Baby-Marder. Er wurde allein – ohne Geschwister und Mutter - in einem Garten gefunden und dann im Tierheim abgegeben. Ob es sich hierbei um ein wirklich hilfsbedürftiges Tierbaby handelte oder ob die Finder (unwissentlich) übereifrig reagierten, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls ereilte mich der Hilferuf des Tierheims und schon kurze Zeit später befand sich der Kleine (er wurde auf den Namen Max getauft) in meiner Obhut.


Marderartige zählen zu den Raubtieren (Ordnung), genauer gesagt zu den Landraubtieren (Unterordnung). Die Marder (Familie) untergliedern sich in Wieselartige, Dachse und Otter (Unterfamilien) und umfasst unter anderem Mauswiesel, Hermelin, Iltis, Baummarder, Steinmarder, Dachs, Fischotter. Weltweit betrachtet gibt es noch viel mehr Familienmitglieder, doch dies sind die gängigen Arten, die bei uns Vorkommen.


Jugendentwicklung des Steinmarders


Je nach Wurfgröße wiegen Steinmarderbabys zwischen 28 und 34 g und sind 12 bis 15 cm lang. Bei der Geburt sind sie noch blind und taub, ihr Körper ist jedoch schon mit einem leichten Haarflaum überzogen. Nach zwei Wochen verfärbt sich dieser Flaum in die typische Marderfärbung.

Im Alter von drei Wochen beginnen die ersten oberen Zähne durchzubrechen, eine weitere Woche später erscheinen die ersten unteren Zähne.

Im Alter von 32-36 Tagen öffnen sich die Augen so langsam.

Nach etwa 7 Wochen beginnt man die kleinen Tierchen zum ersten Mal an die Zufütterung von Fleisch zu gewöhnen, da nun das Milchgebiss vollständig ist und der Wechsel zum bleibenden Gebiss beginnt. Die Stillzeit dauert jedoch bis etwa zur 8–10 Woche.

Ab der 16. Woche wird selbständig auf Beutefang gegangen, nun ist auch das Dauergebiss vollständig ausgebildet.

Im Alter von 23 Wochen löst sich der Familienverband so langsam auf (manchmal kommt es jedoch vor, dass die Rüden noch etwas länger im Quartier der Mutter verbleiben). Die Jungtiere haben ihr Endgewicht von etwa 1200-1600g fast erreicht und sind nun auf sich selbst gestellt.


Max ist jetzt noch nicht ganz drei Wochen alt. Sein Bewegungsradius begrenzt sich auf das Leben in einer Transportbox. Und abgesehen davon, dass er alle drei Stunden (auch nachts!) gefüttert und massiert wird und er ab und an seine Streicheleinheiten erhält, passiert nicht all zu viel in seinem momentanen Leben.

Der Grad ist sehr schmal. Man muss immer Bedenken, dass Max ein Wildtier ist und auf sein späteres Leben in freier Wildbahn vorbereitet werden soll. Der Kontakt zum Menschen und zu anderen Haustieren sollte so gering wie möglich gehalten werden. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das schon etwas anders aus. Wenn da so ein hilfloses Pelzkügelchen vor einem liegt und ganz jämmerlich fiept, muss man es einfach in die Hand nehmen und herzen!


Noch stehen wir ganz am Anfang der Entwicklung des Kleinen Max, aber es werden noch spannende Zeiten auf uns zukommen. Wir werden berichten!

9.05.2011 Daniela Stotz